Castelmonte


Castelmonte | Stara Gora | Madone di Mont
Eine Panoramastraße führt in mehreren Kehren 618 m hoch zu einem der ältesten Wallfahrtsorte Oberitaliens, zum »Santuario Beata Vergine di Castelmonte«. Diese Straße nehmen am ersten Septemberwochenende mehr als 6.000 Menschen, um zur berühmten »Madonna viva« von Castelmonte zu gelangen, die diese Bezeichnung wegen ihres lebendigen Ausdrucks trägt. Doch die Anziehungskraft des Heiligtums hält auch unter dem Jahr, und oft stauen sich Reisebusse und Privatautos auf dem riesigen Parkplatz zu Füßen des Klosters. Angeblich besuchen 300.000 Pilger Castelmonte jährlich; für sie werden an Feiertagen stündlich Messen gelesen, an Wochentagen immer noch vier. Der Besucherstrom lässt das Geschäft der Devotionalienhändler blühen. Mit religiösem Kitsch, von Christusfiguren in Gummibärchengröße bis hin zu meterlangen Rosenkränzen aus Holz, lässt sich augenscheinlich guter Umsatz machen.
Castelmonte wurde als römischer Militärstützpunkt gegründet und ist als Wallfahrtsort seit 1175 belegt. Ältere Grabungsfunde weisen jedoch darauf hin, dass es eines der ersten Marienheiligtümer nach dem Konzil von Ephesos 431 war: Das »Dogma von Ephesos« erklärte Maria zur »theotokos«, zur »Gottesgebärerin«, und bewirkte damit eine lebhafte Marienverehrung. Im Mittelalter lebten hier neben wenigen Mönchen Bauern, Handwerker und Wirte, die damals schon an den Pilgern verdienten. Castelmonte war keine Abtei mit eigener Machtpolitik, sondern einem Kloster in Cividale unterstellt und daher auch kein vorrangiges Ziel zerstörerischer Angriffe.
Seit 1913 ist Castelmonte in der Obsorge der Kapuziner. Der Kirchenbau in seiner heutigen Form geht auf das 16. und 17. Jahrhundert zurück. Der älteste Teil ist die Krypta, hier wurde Maria zuerst verehrt. Der kleine Raum wurde 1962 bis zur heutigen Größe erweitert. Die Statue der Madonna, die am 8. September 1479 hier aufgestellt wurde, ist das Herz des Heiligtums: eine sitzende Maria im gotischen Stil mit dem Jesuskind auf den Knien. Während der spätere Erlöser interessiert seine Mama begutachtet, blickt sie freundlich und teilnahmsvoll auf die Pilger herab.
Zwar kann Castelmonte keine Marienerscheinung (wohl der »Ritterschlag« unter den Marienheiligtümern) aufweisen, aber anhand tausender Votivbilder lässt sich nachvollziehen, wie vielen Hilfesuchenden die Madonna von Castelmonte schon beistand. Selbst der abgeklärtesten Seele ringt solche Volksfrömmigkeit Demut ab, und Unterhaltungswert haben die gemalten, gestickten, fotografierten Bildchen allemal: Hier fährt ein Blitz auf ein Haus herab, da stürzt ein Auto von einer Brücke, hier kentert ein Boot im Sturm, da fällt ein Kind aus dem Fenster – und über allem thront die Gottesmutter und fügt gnädig die Geschicke. Wer den Unfall sonst nicht überlebt hätte, der entsteigt dem Wagen fast unversehrt, der wird wundersam aus dem Feuer gerettet, den hält im letzten Moment eine Hand zurück.
In der Krypta wurde dem Dank an die Gottesmutter ein kleiner Altar errichtet: Krücken und andere Gehhilfen haben ehemals Lahme hier abgeworfen, Brillen und Zahnersatz zurückgelassen, und sogar Motorradhelme haben von Einsicht Gestreifte hier deponiert. Einfach nur rührend sind die Dankesbezeugungen glücklicher Eltern: Taufhemdchen und Fotos von Neugeborenen zieren in langen Reihen die Wände und belegen, dass sich die Madonna auf diesem, ihrem ureigensten Terrain, besonders bewährt. Wer also auf reichen Kindersegen, spätes Familienglück oder einfach auf gesunde Nachkommen hofft, darf sich nicht scheuen, eine Kerze zu entzünden und der Madonna von Castelmonte Einblick in sein Herz und seine Träume zu gewähren – und beim nächsten Besuch einen Beleg ihrer Wundertätigkeit mitzubringen.