Das Buch "Die letzten Täler"

Die Anregung zu meinen Wanderreisen kommt vom Buch “Die letzten Täler” von UNIKUM, dem Kulturzentrum der Uni Klagenfurt. 
2009 erschienen, gehört es einer eigenwilligen Reihe Wander-Reise-Lesebücher vom eingespielten Team der Autoren Gerhard Pilgram, Wilhelm Berger, Annemarie Pilgram-Ribitsch und Werner Koroschitz. 



Dieses Buch führt in die entlegendsten Dörfer Friauls entlang der Grenze mit Slowenien und schlägt auch eine sechstägige Rundwanderung in den Natisone-Tälern vor. 
Die kurze Vorschau der einzelnen Etappen, die ich hier präsentiere, stammt aus diesem Buch. Der Verlauf der einzelnen Etappen der TCEN-Wanderung ist aber mit der Zeit ein wenig anders geworden, um sich den besonderen Anforderungen einer Gruppenwanderung anzupassen. 


1. Etappe: Rundwanderung bei Montefosca
Südwestlich des Matajur, wo der Natisone ein enges Tal gegraben und damit einen Korridor nach Slowenien geschaffen hat, sind die Dörfer die Hänge hochgeklettert, um sich dort in kleinen Gruppen der Sonne zuzuwenden. Wie auf der Flucht vor solcher Geselligkeit, hat sich Montefosca auf eine Terrasse unter dem Monte Lubia zurückgezogen. Es ist die erste Station einer ungemein reizvollen Rundwanderung, bei der man die Valli del Natisone vor allem von oben, als sanft grünes Relief mit weißen Einsprengseln, erlebt.


In Montefosca
Nachdem man sich auf dem Weg über dem Budrin-Graben aufgewärmt und im freundlichen Agriturismo von Carni Varh (wie man Montefosca im slowenischen Dialekt nennt) gestärkt hat, steigt man gemächlich zur Bocchetta di Masarolis, dem Übergang zum Tal des Torrente Chiarò, an. Ist man bisher zumeist im lichten Wald und zwischen Dolinen gewandert, öffnet sich nun der Blick. Im Norden taucht die Felsenkette des Monte Canin auf; im Süden schimmert die Adria über dem Dunst der friulanischen Ebene. Noch prächtiger ist das Panorama des knapp 1.000 m hohen Monte Kraguojnca, den man nach einem weiteren kurzen Anstieg erreicht. Er ist der Gipfel eines langgestreckten, unbewaldeten Rückens, über den sich im Sommer eine Blumenpracht sondergleichen ergießt. Sanft fällt der Weg nach Süden ab, fast schwebt man in Richtung Cividale.


Monte Kraguojnca, freie Sicht auf die friulanische Ebene
Frei wie sonst kaum ist die Sicht auf das östliche Hinterland.
Wie geschaffen für die Mittagsrast ist der Wiesenhang unterhalb der Kirche San Spirito. Der Abstieg erfolgt über das Bergdorf Spignon, von wo ein alter Kulturweg zur Höhlenkirche San Giovanni führt. Im letzten, besonders bequemen Drittel der Wanderung macht man mit drei sehenswerten Ortschaften Bekanntschaft: mit Antro, das auf einer aussichtsreichen Terrasse sitzt, mit Lasiz, das von Obstgärten umgeben ist, und mit Cicigolis, dessen balkongeschmückte Häuser sich um den Dorfplatz drängen wie Theaterlogen um das Bühnenrund. Ein unscheinbares Straßendorf ist Pulfero, dessen geheime Qualitäten sich erst beim Besuch seiner Gaststätten offenbaren.

Hinweise zur Wanderung:

LÄNGE: 18 km
ANSTIEGE: 600 m
GEHZEIT: 5:30 Std.
ANFORDERUNGEN: Mittel

2. Etappe: DER LETZTE BERG
Wanderung von Pulfero zum Matajur
Der Matajur, einst erbittert umkämpfter Kriegsschauplatz, ist der südlichste Berg an der slowenisch-italienischen Grenze, der sich nennenswert über die Baumgrenze erhebt. Seine Besteigung lohnt sich nicht nur wegen der Fernsicht, sondern vor allem wegen der malerischen Dörfer, die sich an seinen Sonnenhängen eingenistet haben.

Blumenpracht in Mersino Basso
Der Tag beginnt mit einem Bauchaufschwung in Form eines einstündigen steilen Anstiegs von Loch Linder nach Mersino basso, das sich von der Welt abgewendet hat und dennoch Meeresblick genießt. Hat man diesen Weg geschafft, fallen die folgenden Abschnitte leicht: der zweite, wesentlich kürzere Anstieg zu den fünf Weilern von Mersino alto und dessen bequeme Fortsetzung zu den aufgelassenen Almen unterhalb des Gipfels. Ein alter Maultierpfad, der dem Gelände ebenso angepasst ist wie den Bedürfnissen des Wanderers, beflügelt den Schritt. Weite Blicke zur Küste und die vielversprechende Vorschau auf die kommenden Etappen prägen den letzten Abschnitt der Wanderung.


Auf dem Matajur-Gipfel
Hinweise zur Wanderung:
LÄNGE: 12 km
ANSTIEGE: 900 m [1200 m bis zum Gipfel]
GEHZEIT: 5:30 Std.[7:00 Std.]
ANFORDERUNGEN: Gute Kondition und Ausdauer

3. Etappe: GROSSER SPRUNG 
Wanderung vom Matajur nach Avsa

Sechs Bergdörfer, eines eigenwilliger als das andere, sind die prägenden Elemente dieser  Etappe. Sie beginnt mit einem Sturzflug vom Matajur nach Masseris, einem der höchstgelegenen Ansiedlungen der Valli del Natisone, das mit seinen balkongeschmückten Häusern und gepflasterten Gässlein zu den hübschesten Ortschaften des Gebietes zählt. Über Ielina kommt man nach Vartača, einem Sattel, den man nach der Durchquerung eines Grabens erreicht. Da ist ein Wirtshaus offen. Bequem geht es weiter bis Cepletischis, den einsamen, von ausgedehnten Terrassen umgebenen Grenzort. 

Unerwartete tibetanische Stupa in Polava
Auch Polava, dessen Steinhäuser sich einem stillen Talgrund zuwenden, liegt auf verlorenem Posten. Hier, am Ende der Welt, lebt eine kleine buddhistische Mönchgemeinschaft. Mehr darüber lesen Sie hier. Auf einem schönen Weg im Wald überqueren wir die ehemalige Grenze mit Slowenien und kommen zuerst nach Jevscek und dann nach Avsa, wo wir in dem freundlichen Bauernhof von Branko und Dora übernachten.

Hinweise zur Wanderung: 
LÄNGE: 15 km 
ANSTIEGE: 400 m 
GEHZEIT: 5:00 Std.

5. Etappe: DEN KAMM ENTLANG
Wanderung von Tribil di sopra nach Castelmonte

Den Kamm entlang
Verglichen mit dem Pensum des Vortages ist diese Etappe beinahe ein Spaziergang. Weder sind übermäßig große Höhenunterschiede zu überwinden, noch ist die Strecke sonderlich lang. Doch so schonend der Weg für die Beine ist, so viel gibt es für die Augen zu tun: Immer wieder bietet sich dem Wanderer ein großartiges Panorama und ändern die Hügelketten der Valli del Natisone ihre Gestalt.  Kaum glaubt man, die einzelnen Ortschaften auf den umliegenden Hängen und Kämmen identifiziert zu haben, erscheinen weitere Dörfer und geben neue Rätsel auf. Gelegentlich überblickt man fast das gesamte Natisone-Gebiet und damit einen Großteil der sechstägigen Rundwanderung, dann verliert man sich wieder im Wald, um plötzlich die Primorska, das slowenische Küstenland im Osten, auf dem Präsentierteller serviert zu bekommen.
Wichtigste Stationen sind die versteckten Dörfer Gnidovizza und Klinac sowie Planino bei Tribil di Sotto zwei versteckte Dörfer, die letzten großen Bergwiesen der Valli del Natisone mit einem wunderbaren Blick auf die Region.Weitere Wegmarken bilden die Kirchlein San Giovanni und San Nicolò, wovon ersteres kühn über einem Abgrund wacht und zweiteres einen hübschen Dachreiter besitzt. Zielort ist Castelmonte, das als ältestes Marienheiligtum Italiens gilt und seinen Reiz dem kompakten Ortsbild sowie den unzähligen Votivgaben frommer Pilger verdankt.


Castelmonte sieht aus wie ein tibetanisches Kloster
Hinweise zur Wanderung:
LÄNGE: 14 km
ANSTIEGE: 350 m
GEHZEIT: 5:30 Std.
ANFORDERUNGEN: Mittel
6. Etappe: AUSLAUF

Wanderung von Castelmonte nach Cividale

Die Natisone-Schlucht
Nur einen halben Tag benötigt man, um von Castelmonte nach Cividale abzusteigen, weshalb man sich während der letzten Etappe ruhig Zeit lassen und auf eine ausgiebige Besichtigung von Cividale freuen kann. Auch was einem unterwegs geboten wird, ist sehenswert: ein einsamer Weiler, der aus seinem Dornröschenschlaf erwacht, ein schöner Kammweg mit weiten Blicken, ein uralter, gepflasterter Maultierpfad bei Purgessimo und das stimmungsvolle Finale entlang des tief eingeschnittenen Natisone. Der ideale Ausklang einer großen Wanderung.


Die Teufelsbrücke in Cividale
Hinweise zur Wanderung:
LÄNGE: 12 km
ANSTIEGE: 50 m
GEHZEIT: 4:00 Std.
ANFORDERUNGEN: Gering