Eine grüne Ecke der Julischen Voralpen
Jahrhundertelang wurden in den Natisone-Tälern Wald und Boden von den Menschen benutzt: das fruchtbare Land wurde von kleinen Mauern abgestützt, der Boden gesäubert und gepflegt und sein Ertrag durch sorgfältige Wechselwirtschaft gesteigert. Heute trifft der Besucher dagegen auf ein verlassenes Bergland, wo die Natur wieder ihr Terrain zurückerobert hat.
Viele Tierarten leben hier: Rehe, Hirsche, Gämsen, Wildschweine, Füchse; Tag- und Nachtraubvögel wie der Steinadler, der Habicht, der Mäusebussard und der Uhu sind hier heimisch.
Daneben nisten hier der Kolkrabe, der Schwarzspecht, der Tannenhäher, der Frankolin, das Birkhuhn und der Auerhahn.
In der ganzen Region haben wir 3388 Pflanzenarten; davon ein Drittel (1340) wachsen im Gebiet der Natisone Tälern, und sind mit dem Flora vom Balkan, vom Donautal (danubisch) und Friaul verbunden. Nur auf dem Matajur gibt es 800 Pflanzarten.
Was für ein Boden? Nur am Matajur und auf dem Berg Mia (direkt gegenüber) haben wir einen Kalkboden, sonst überall ein saurer Flysch (ein leicht erodierbares Sedimentarfels), wo der Kastanienbaum sehr gut gedeiht.
In dieser geschützten Umgebung gedeihen auch seltene Blumen wie der Türkenbund, die Feuerlilie, die gelbe Lilie, die Narzisse, das Maiglöckchen und der Hahnenfuß.
Ergänzt wird das natürliche Gleichgewicht durch die verschiedenen Baumarten: jahrhundertealte Kastanienbäume mit riesigen Kronen und Stämmen wachsen inmitten von wilden Laubwäldern; Linden, Ahorne, Eschen, Manna-Eschen und Hainbuchen tauchen das Tal in verschiedenste Grünschattierungen.
Schauen wir jetzt die einzelnen Landschaften genauer an.
Das Tal des Flusses Natisone
Von der Quelle bis San Pietro ist der Lauf der Natisone ziemlich breit, dann bildet der Fluss eine Schlucht bis Cividale und dann weiter bis Premariacco. Die Landschaft besteht aus angebauten Feldern, dazwischen Bäume oder Büsche. Das Natisone-Tal besteht hier aus verschiedenen Terrassen/Schichten aus Konglomeratstein.
Konglomerat (lateinisch conglomerare „zusammenballen“) bezeichnet in der Geologie ein grobkörniges Sedimentgestein, das aus mindestens 50 % gerundeten Komponenten (Kies oder Geröll) besteht, welche durch eine feinkörnige Matrix verkittet sind.
Die Vegetation am Ufer und auf den “Kiesinseln” im Strom besteht aus Weiden: Lavendelweide (Salix eleagnos, mit behaarten Blättern), Purpur-Weide (Salix purpurea), Silberweide und Schwarzpappel. Besonders auffällig ist die gelbe Frühlingsblüte dieser Weiden.
Manchmal finden wir auch die Ufer-Tamariske (Myricaria germanica), auch Rispelstrauch genannt, ein immergrüner Strauch mit graugrünen Blättern und die Weisserle (Alnus incana).
Die Täler der Nebenflüsse dagegen sind viel enger. Hier kann man auch Gürtel von Schwarzerlen (Alnus glutinosa) haben. Oft wachsen hier Huflattich (tussilago farfara) und der weisse Pestwurz (petasites albus).
Die Landwirtschaft
Richtige Felder findet man nur im Natisone-Tal oder im ersten Teil der Nebenflüsse Alberone und Cosizza; sonst sind/waren kleine Felder und Wiesen vor allem um die Dörfer auf dem Hügelkamm (Tribil, Tercimonte) oder auf Terrassen, die heute fast immer verlassen sind. Diese Terrassen waren fast immer hoch gelegen, nur selten (wie bei Seuza) erreichen sie den Talboden, denn sonst war der Hang zu steil und die Sonnenlage ungünstig.
Wir erwähnen auch die typischen “Felder ohne Furchen” von Drenchia, mit einer sehr steilen Neigung.
Viele terrassierte Felder, von hohen Trockenmauern gestützt, sind heute verlassen; im besten Fall sind sie als Wiesen benutzt, aber die meisten sind verwachsen und vom wachsenden Wald “angegriffen”.
Was wurde da angebaut? Getreide (Brotweizen, Mais, Buchweizen, Gerste und Roggen), Kartoffeln, Bohnen, Karotten. Sehr wichtig war die Obstproduktion: vor allem Äpfel, Birnen, Zwetschgen, aber auch Pfirsiche (sehr bekannt die Pfirsiche von Rodda, die bis Sankt Petersburg exportiert wurden) und natürlich…Weintrauben!
Die Wiesen für die Heuproduktion hatten eine leitende Rolle in der damaligen Landwirtschaft und Viehzucht; normalerweise waren diese Oberflächen nicht in Dorfnähe, sie waren eher auf den Berghöhen. In den letzten 50 Jahren hat der Wald diese Wiesen wieder erobert, so sind heute die Wiesen nur dort erhalten geblieben, wo sie leicht zu erreichen waren oder auf den höchsten Stellen, wo das Klima das Erweitern des Waldes langsamer macht ( Berge Joanaz, Kraguoinza, Glevizza-San Giorgio, Matajur, Kolovrat).
Die Wälder
Eichenwälder auf den Hügeln
Die Hügeln rund um Cividale sind zum Teil von Eichenwäldern bedeckt. Auf dem Kamm wachsen vor allem Stieleichen (Quercus robur)und Kastanienbäume (Castanea sativa); in den kleinen Mulden, auf frischem Substrat, sind die Eichen von Hainbuchen begleitet.
Diese Bäume lieben ein Mergel-Sandstein-Substrat; sie sind jetzt sehr klein geworden zugunsten der Weinbergen und wegen der Verbreitung der Robinie, wie z.B. im Bosco Romagno.
Auch die Pflanzen mit Zwiebelwurzel gedeihen gut, sie blühen im Frühling als erste, weil der Wald noch keine Blätter hat und die Sonne die Zwiebel gut erwärmen kann. Typisch für diese Wälder sind die auffällige Blüten von Krokussen, Schneeglöckchen, Märzbechern, Buschwindröschen, Leberblumen, Hundezahn usw.
Manchmal beobachten wir gleichzeitig Hainbuche und Hopfenbuche mit Flaumeiche (Quercus pubescens), Bergahorn und Mannaesche. Die Hopfenbuche liebt die Wärme, der Hainbuche dagegen nicht so sehr. Der Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia) liebt einen trockenen Boden.
Termophile Buschwälder
Auf den Kalkfelsen, aber auch auf den Konglomeraten des Natisone-Tals ist die meist verbreitete Vegetationsart der termophile Wald mit Flaumeichen und Hopfenbuchen, vor allem auf den südostgelegenen Flanken; manchmal kommt auch der Feldahorn (Acer campestre) dazu, wenn das Substrat mehr Lehm und Ton enthält.
Auf dem rechten Natisone-Ufer bei Stupizza (Kalkstein) gedeiht z.B. vor allem der Hopfenbuche, begleitet von Flaumeiche, Goldregen, Mehlbeerbaum, Weissdorn, Haselnuss und Wacholder in den Lichtungen.
Dazu auch:
- Cornus mas/ Kornelkirsche
- Ligustrum vulgare/ Rainweide, Liguster
- Prunus spinosa /Schlehdorn
In der Pradolino-Schlucht wächst der Balkan-Storchschnabel (Geranium macrorrhizum), eine schöne Wildgeranie mit auffälligen rosa Blüten.
Sie ist typisch von steinigen, kalkreichen Böden und Felsen in warmen Lagen.
Eichen- und Kastanienwälder
Bei Mergel-Sandstein-Substraten neigt die Stieleiche dazu, das dominante Element zu sein; der Eichenwald (Bocchetta di Topolò, Grimacco) ist in den NT ziemlich verbreitet.
Sehr verbreitet ist der Kastanienwald, einmal sehr intensiv gepflegt, für Früchte, Holz und auch für den Honig interessant.
Wir unterscheiden zwischen Kastanienwäldern auf trockenem Boden auf den Südhängen (Clastra, Tercimonte) und Kastanienwäldern auf tiefem, weniger steilem Boden. Die letzteren sind die am meisten verbreiteten und charakterisieren die Landschaft der NT; oft sind sie von Bergahorn und Hainbuche begleitet.
Diese Wälder waren einem Parkgelände ähnlich, mit nur grossen Bäumen mit grasigem Unterholz; die Wiese wurde gemäht oder (selten) als Waldweide benutzt.
Heute wird das Unterholz nicht mehr sauber gehalten, so wachsen jetzt Eschen und Ahorne, und manchmal auch Linden (wo es offener ist).
Mischwälder
Am Talkopf der Nebenflüsse gibt es oft steile Schluchten; hier gedeihen Ahorne und Eschen; oberhalb, auf den westlichen Flanken, finden wir auch Linden. Manchmal auch Bergulmen.
Andere Pflanzenarten dieser Mischwälder sind:
- Laburnum alpinum/ Goldregen
- Taxus baccata/ Eibe
- Euonimus europaea / Pfaffenhütchen
- Viburnum opulus / Schneeball
- Lonicera xylosteum / rotes Geissblatt
- Allium orsinum / Bärlauch
In der Ahorn-Esche-Vegetation kommen oft Buchen vor: manchmal auch sehr niedrig auf der Meereshöhe, wie z.B. in Pulfero (Rio Stivanscek). Bei Biarzo (160 m ü.d.M.) wachsen Buchen auf dem frischen linken Ufer des Natisone, weil die überhängenden Felsen ein kaltes Mikroklima bilden.
Ein besonderer Fall: Sehr oft sind die Hainbuchen das dominante Element. Diese Pflanze erobert rasch, manchmal in nur 10 Jahre, die einmal angebauten Flächen zurück; wenn aber in Dorfnähe Robinien angepflanzt worden waren, um Pfähle daraus zu gewinnen, ist diese letzte Art dominant. Auf grösseren Höhen (z.B. Montefosca) spielt der Bergahorn die gleiche Rolle.
Die verlassenen Felder sind oft sehr dicht von Haselnussträuchen bedeckt und schnell entwickelt sich eine Vegetation aus Brombeeren und Waldrebe (Clematis vitalba), eine Liane, die durch ihren invasiven Wuchs die anderen Pflanzenarten
erstickt.
Auf den nordwestlichen Flanken entlang den Hügelkamm, am Rand der einst gemähten Wiesen, wachsen oft Birken.
Auf den steilen nordwestlichen Flanken des Matajur ist der Spitzahorn verbreitet.
Buchenwälder
Oberhalb von 600 Metern Höhe erscheinen die Buchenwälder an der Stelle der Kastanienwälder.
Wo es nicht möglich war, Mähwiesen zu gewinnen, war das Holz dieser Bäume eine wichtige Energiequelle für die Dorfbewohner (zwischen 600 und 800 m).
Oberhalb dieser Höhe entwickelt sich eine stabile Vegetation mit einem natürlichen Gleichgewicht: die Buchen sind das dominante Element, normalerweise von Bergahorn begleitet und selten auch von Eschen.
Es kommen auch Haselnuss, Bergahorn, Mehlbeerbaum und Vogelbeerbaum vor.
Der Buchenwald wächst auf dem Matajur bis 1400 m Höhe.
Andere Pflanzenarten:
- Phyllitis scolopendrium/Hirschzunge
- Viele verschiedene Farnarten
- Veratrum lobelianum/ Weißer Germer
- anemone trifolia/ Dreiblatt-windröschen (weiss)
- anemone nemorosa/ Buschwindröschen (weiss)
- anemone hepatica/ Leberblümchen (violett)
- oxalis acetosella/ Waldsauerklee
- cardamine trifolia oder enneaphillos/ Kleeblättriges Schaumkraut
- cyclamen purpurascens/ Wildes Alpenveilchen
- pulmonaria officinalis/ Lungenkraut
- galium odoratum/ Waldmeister
- neottia nidus avis/ Vogel-Nestwurz (die ganze Pflanze ist gewöhnlich gelblich braun, an Eichenholz erinnernd)
- daphne mezereum/ echter Seidelbast
- viburnum lantana /wolliger Schneeball
- convallaria majalis/ Maiglöckchen
Auf der West- und Nordseite des Matajur wächst oberhalb von 1500 m Höhe die Grünerle(Alpenerle); diese Vegetation ist typisch der sehr steilen Bergflanken, mit viel Schneefall und Eisbildung, die die Entwicklung der Buchen sehr beeinträchtigen.
Bergwiesen
Mähwiesen
Fast alle Wiesen in den NT entstanden aus der Abholzung der Oberflächen, die zur Heugewinnung und Viehzucht nützlich sein konnten. Diese Wiesen befinden sich fast immer in Dorfnähe. Andere grosse Wiesenflächen befinden sich auf den Bergrücken, die die Täler voneinander trennen. Nur auf den Gipfeln findet man natürliche Wiesen, die nicht aus Abholzung entstanden.
Diese sogenannten “sekundären” Wiesen bestehen hauptsächlich aus einem Arrhenatheretum, d.h. hier wächst das hohe Gras Arrhenatherion elatioris/ Gewöhnliche Glatthafer.
Hier wachsen auch:
- Carlina acaulis
- Cirsium eriophorum
- Gentiana cruciata
- Centaurea jacea Die Wiesen-Flockenblume ist eine der charakteristischen und weit verbreiteten Blumen artenreicher, extensiv genutzter Mähwiesen und Mähweiden
- Achillea millefolium/ gemeine Schafgarbe
- Leucanthemum vulgare/ Magerwiese-Margerite
- Tragopogon pratensis/ Wiesen-Bocksbart
- gelb Galium verum und galium mollugo weiss Echtes Labkraut und Wiesenlabkraut
Magerwiesen
Wenn sie günstig liegen und gedüngt werden, sind diese Wiesen reich an gute Futterpflanzen wie Gräser und Leguminosen.
Auf den Magerwiesen gibt es dagegen mehr Wiesensalbei (Lippenblütengewächse) und Gräser der Gattung Bromus
Sehr interessant sind die Magerwiesen am Natisone, von Vernasso bis Pulfero, wo sich noch einige Reste von Magerwiesen befinden, die im Frühling besonders blütenreich sind.
Nicht alle Wiesen werden regelmässig gemäht; wenn sie nicht mehr gedüngt werden, ist das die erste Phase der Verbuschung/aufgebens : zuerst wachsen nur die Pflanzenarten, die auf nährstoffarmen Böden gedeihen; dann kommt die Phase der Pioniersträuche und der Pflanzen (Pfeifengras) wie Molinia arundinacea und Goldbart Chrysopogon gryllus, die die Expansion des Waldes vorbereiten.
Da diese Pflanze vom Vieh nicht gefressen wird, wird sie auf dem Monte Joanaz in langen Reihen als Grundstückgrenze benutzt. Die Narzisse werden von der Sommermahd unterstützt, weil sie schon Früchte tragen.
die Schwarzerle ist ein Stickstoffsammler für die Einheimischen “lässt sie mehr Gras wachsen” S.61
Es gedeihen Arnika, Preiselbeeren und Heidelbeeren, calluna vulgaris (Besenheide)
Subalpine Wiesen
Auf dem Matajur, oberhalb 1200 m befinden sich subalpine Bergwiesen mit Trisetum flavescens (Goldhafer) als Hauptgras. Im Frühling blühen hier viele Enzian- und Orchideensorten und Hahnenfuss. Im Gipfelbereich (oberhalb 1500 m) gibt es die einzigen primären Wiesen, die obwohl zum Teil als Viehweide benutzt, alle typischen Pflanzenarten erhalten haben.
Wir haben:
- sesleria varia Kalk-Blaugras
- Als Standort bevorzugt diese kalkstete Pflanze steinige Trockenrasen, Felsrasen und Magerrasen, aber sie kommt auch in trockenen und flachgründigen Wäldern, besonders Föhrenwäldern vor. Das Kalk-Blaugras gilt als Magerkeitszeiger, Kalkzeiger, Pionierpflanze und Schuttstauer.
- carex sempervirens Horst-Segge
- festuca calva (it. festuca pungente) Schwingel
- leontopodium alpinum /Edelweiss
- anemone narzissiflora / Windröschen
- lilium carniolicum (giglio di Carniola, come martagone ma arancione) Krainer Lilie Die Krainer Lilie findet sich von Italien und Österreich bis in das ehemalige Jugoslawien. In Deutschland und der Schweiz ist sie nicht heimisch. In Österreich kommt sie nur in Kärnten in den Karawanken und am Dobratsch vor. Sie ist hier selten und steht unter vollständigem gesetzlichen Naturschutz. Häufig ist sie im südöstlichen Alpenraum und im Dinarischen Gebirge, wo sie besonders in den Karawanken, den Julischen Alpen und dem Triestiner Karst zu finden ist. Die Krainer Lilie ist kalkliebend und wächst auf felsigen Hängen, trockenen, steinigen Wiesen und Felsschutt in der montanen bis subalpinen Höhenstufe, meist zwischen 1800 und 2000 Metern, gelegentlich auch bis zu 220 Meter herab- oder bis zu 2400 Meter aufsteigend. Sie findet sich dort in Senken, in denen sich Feuchtigkeit und Humus gesammelt haben.
- melopospermum peloponnesiacum/ cicutaria fetida/
- aconitum angustifolium / blauer Eisenhut Blauer Eisenhut Aconitum napellus Alle Pflanzenteile sind stark giftig. Bereits zwei Gramm der Wurzel sind tödlich.
- scorzonera purpurea (?) Schwarzwurzeln (175 Arten!)
- nigritella nigra subsp. rhellicani gewöhnliches Kohlröschen
- rhodiola rosea (pianta grassa) Rosenwurz
- medicago pironae Schneckenklee Wie andere Hülsenfrüchtler (Leguminosen) besitzen die Medicago-Arten die Fähigkeit, mit Hilfe von symbiotischen Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft aufzunehmen und zu fixieren.
- rhododendron hirsutum Bewimperte Alpenrose wird auch als Almrausch, Almenrausch oder Steinrose bezeichnet. Im Alpenraum wird sie – ebenso wie die Rostblättrige Alpenrose – auch Almrose genannt.
