Gedichte

 Franco Arminio, der Dichter der verlassenen Dörfer

aus dem Gedichtband “Cedi il passo agli alberi”


Abbiamo bisogno di contadini,

di poeti, gente che sa fare il pane,

che ama gli alberi e riconosce il vento.

Più che l’anno della crescita,

ci vorrebbe l’anno dell’attenzione.

Attenzione a chi cade, al sole che nasce

e che muore, ai ragazzi che crescono, 

attenzione anche a un semplice lampione,

a un muro scrostato.

Oggi essere rivoluzionari significa togliere

più che aggiungere, rallentare più che accelerare, 

significa dare valore al silenzio, alla luce,

alla fragilità, alla dolcezza.

 

 

Wir brauchen Bauern, 

wir brauchen Dichter,

wir brauchen Leute, die wissen, 

wie man Brot bäckt,

Leute, die die Bäume lieben 

und den Wind erkennen.

Mehr als das Jahr des Wachstums 

wäre das Jahr der Aufmerksamkeit erforderlich.

Aufmerksamkeit auf die, die fallen, auf die aufgehende 

und untergehende Sonne, auf die Kinder,

die erwachsen werden, 

auch auf einen einfachen Laternenpfahl, 

auf eine abblätternde Wand.

Revolutionär zu sein bedeutet heute 

wegzunehmen statt hinzuzufügen,

verlangsamen statt zu beschleunigen,

der Stille, dem Licht, der Zerbrechlichkeit und der Sanftheit 

Wert zu verleihen.   (meine Übersetzung)

 


 

“Aber ich glaube immer noch an die Kraft der Orte. Ich glaube an die Orte, nicht die großen, sondern die Kleinen, die unbekannten, im Ausland ebenso wie im Inland. Ich glaube an jene Orte, ohne Klang und ohne Namen, bezeichnet vielleicht allein dadurch, daß dort nichts ist, während überall ringsherum etwas ist. Ich glaube an die Kraft jener Orte, weil dort nichts mehr und noch nichts geschieht. Ich glaube an die Oasen der Leere, nicht abseits, sondern inmitten der Fülle hier.”

 

Peter Handke, Die Abwesenheit

 

 

Fontana di aga dal me paîs. A no é aga pi fres-cia che tal me paîs.

Fontana de rustic amòur.

 

Wasserbrunnen in meinem Dorf. / Nirgends ist frischeres Wasser als in meinem Dorf. / Brunnen ländlicher Liebe.

 

Pier Paolo Pasolini, Widmung an Casarsa, sein Heimatdorf







 

 Dino Menichini, 1921 in Pulfero geboren, der Dichter der Natisone-Täler



 …dolce vento/ del Matajur, che in ombra striscia a valle / per ferme teleferiche sospese

…sanfter Matajurwind/ im Schatten schleicht ins Tal/ durch stille hängende Seilbahnen.



 

Unter der Teufelsbrücke



Unter der Teufelsbrücke

sprudelt der Natisone für die Brotkruste,

die ein Junge mit sanftem Plumps

den Fischen zuwirft:

das Wasser öffnet sich im Kreis,

die Forelle schnellt hoch, schnappt zu.

Wechselnd

steigen im blauen Fluss Luftblasen auf.

 

Dino Menichini 1953


Odôr di avrîl  (Pietro Zorutti, friulanischer Dichter)

 

L'è indurmidît il vint / al è seren il cîl / e di lontan si sint / l'odôr di avrîl...


Aprilduft


Es schlummert der Wind/ heiter ist der Himmel / und von weitem spürt man/ den Duft des Aprils...