Italiens Slowenen - Heute

Theodor Domej  (aus dem Buch "Die letzten Täler" von Unikum)

Gegenwärtige Grundlage des Minderheitenschutzes für die Slowenen in Italien bildet das Gesetz Nr. 38/2001 (Norme per la tutela della minoranza linguistica slovena della regione Friuli-Venezia Giulia). Es anerkennt und schützt die Rechte der italienischen Staatsbürger, welche der slowenischen sprachlichen Minderheit in den Provinzen Triest, Görz und Udine angehören. Es regelt die Schreibung der Vornamen, Familiennamen und Namen von Institutionen und Betrieben, den Gebrauch der slowenischen Sprache in der öffentlichen Verwaltung, sieht die Ausgabe von zweisprachigen Ausweisen vor, regelt den Gebrauch der slowenischen Sprache in Vertretungskörperschaften, von öffentlichen Aufschriften und Ortstafeln und nicht zuletzt sieht es finanzielle Mittel für slowenische Institutionen vor. Ein paritätischer Ausschuss für Probleme der slowenischen Minderheit wurde eingesetzt. Dieses Gesetz, das primär die Slowenen schützt, erwähnt in einem seiner Artikel jedoch auch die deutschsprachige Bevölkerung des Kanaltals (Tutela delle popolazioni germanofone della Val Canale). Darin wird die Viersprachigkeit dieses Gebietes hervorgehoben und ein besonderer Schutz der deutschsprachigen Bevölkerung des Kanaltals in Aussicht gestellt. 
Im Regionalparlament von Friaul-Julisch Venetien wurde am 23. Oktober 2007 ebenfalls ein Minderheitenschutzgesetz beschlossen, das Ausführungsgesetz zum Staatsgesetz. Mit ihm wurden die beiden slowenischen Dachverbände ausdrücklich als Vertretungsorganisationen der slowenischen Minderheit anerkannt. 
Ein entscheidender Schritt in der Umsetzung dieses Gesetzes erfolgte 2007, als der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano eine Verordnung unterzeichnete, die eine genaue Auflistung der Gemeinden beziehungsweise ihrer Teile umfasst, in denen die slowenische Minderheit beheimatet ist. Der Einigung ging ein sehr mühsamer Diskussionsprozess voran, denn Vertreter von minderheitenfeindlichen Parteien blockierten lange, letztlich aber ohne Erfolg das Zustandekommen dieses Verzeichnisses. Das Minderheitenschutzgesetz Nr. 38/2001 für Slowenen in Italien gilt für 32 Gemeinden der Region Friaul-Julisch Venetien.




In der Provinz Udine liegen: Tarvisio/Trbiz (Tarvis), Malborghetto/Naborjet (Malborghet), Resia/Rezija, Lusevera/Brdo, Taipana/Tipana, Nimis, frazione Cergneu/Neme črneja, Attimis/Ahten, Faedis/
Fojda, Torreano/Tavorjana, Pulfero/Podbonesec, Sovogna/
Sovodnje, Grimacco/Grmek, Drènchia/Dreka, Stregna/Srednje, San Leonardo/Svet Lenart, San Pietro al Natisone/Speter Slovenov, Cividale/Cedad und Prepotto/Praprotno. 
Zur Provinz Görz zählen Cormons/Krmin, San Floriano del Collio/Števerjan, Gorizia/Gorica, Savogna d’Isonzo/
Sovodnje ob Soči, Sagrado/Zagraj ob Soči, Doberdo/Doberdob, Ronci dei Legionari/Ronke und Monfalcone/Trzič. 
Die dritte Gruppe der Gemeinden liegt in der Provinz Triest: Duino Aurisina/Devin Nabrezina, Sgonicco/Zgonik, Monrupino/Repentabor, Trieste/Trst, San Dorligo della Valle/Dolina und Muggia/Milje. 

Ein dichtes Netz von Organisationen, Vereinen und Institutionen überspannt den größten Teil des Siedlungsgebietes, am dichtesten ist es aber in den Provinzen Triest und Görz. Zahlreich sind Kulturvereine mit Chören und Theatergruppen. Bei genauerem Hinsehen auf die slowenischen Vereine und Organisationen wird der Einfluss der politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten Sloweniens und Jugoslawiens spürbar, die sich entweder in der Loyalität zum dortigen System oder in dessen strikter Ablehnung äußern. Seit Beginn des Parlamentarismus im 19. Jahrhundert war die slowenische Minderheit auf mehrere politische Lager aufgeteilt, was auch bei Wahlen zum Ausdruck kam. In den zwei Jahrzehnten des Faschismus blieb unter den Slowenen ein gewisses ideologisches Spektrum erhalten, wobei der Antifaschismus alle Lager einte. Nach dem Krieg, als sich in Triest und Görz Flüchtlinge aus Slowenien niederließen und sich am Aufbau der slowenischen katholischen Organisationen beteiligten, kam es unter den Slowenen zu einer Differenzierung nach weltanschaulichen Lagern. 
Einen zweiten Einschnitt stellte die Kominformkrise nach 1948 dar. Als sich die Wege der Kommunistischen Partei Jugoslawiens und der Kommunisten unter sowjetischer Führung trennten, hatte dies beträchtliche Auswirkungen auf die Slowenen in Italien. Der größere Teil blieb mit Slowenien und Jugoslawien verbunden, ein Teil aber ging im Gleichschritt mit der starken Kommunistischen Partei Italiens, die sich im Konflikt mit Tito auf die Seite Stalins und Moskaus stellte. Heutzutage ist die slowenische Volksgruppe in Italien auf viele politische Parteien aufgesplittert. Die repräsentativen Dachorganisationen sind Slovenska kulturno-gospodarska zveza (Unione Culturale Economica Slovena – Slowenischer kultureller und wirtschaftlicher Verband) und Svet slovenskih organizacij (Confederazione Organizzazioni Sloveni – Rat slowenischer Organisationen). Ersterer stützt sich auf liberale, sozialistische und kommunistische Mitglieder, letzterer beruft sich auf eine katholisch-konservative Basis. Beide haben ihre Sitze in Triest, Görz und Cividale. 
Im Medienbereich sind ein ganztägiges slowenischsprachiges Radioprogramm (Trst A) und tägliche Fernsehsendungen zu nennen. Darüber hinaus verfügt die slowenische Minderheit über eine Tageszeitung (»Primorski dnevnik«), zwei Wochenblätter (»Novi glas«, »Novi Matajur«) sowie mehrere vierzehntägig, monatlich oder vierteljährlich erscheinende Periodika. Das in Cividale erscheinende Wochenblatt der Slowenen der Provinz Udine »Novi Matajur« und das vierzehntägig erscheinende Kultur- und Kirchenblatt »Dom« drucken ihre Beiträge in mehreren Sprachen. Die Besonderheit ist, dass sie auch Artikel in einer regionalen Variante der slowenischen Sprache erscheinen lassen, um auch jene zu erreichen, die keine Gelegenheit hatten, die slowenische Standardsprache zu erlernen. 
In Triest gibt es ein professionelles slowenisches Theater (gegründet 1945, der Vorläufer war bereits von 1902 bis zum Brand des »Narodni dom« 1920 sehr aktiv), ein Slowenisches Forschungsinstitut, eine Slowenische Studienbibliothek, eine Musikschule, eine ganze Reihe von Kulturvereinen, mehrere Verlage und an die sechzig Sportvereine mit einem Dachverband. 
Interessant ist die Entwicklung in der Slavia veneta. Dort kam der entscheidende Impuls, die hauptsächlich in den Familien und Dorfgemeinschaften überlieferte Heimatsprache zu pflegen, aus den Kreisen der Emigranten In der Fremde, vor allem in der Schweiz, in Belgien, aber auch in Argentinien und Australien, fanden sich diese Slowenen in Kreisen der italienischen Emigranten und gründeten ihre eigenen Organisationen. Der Funke sprang dann auf die Herkunftsregion über. Auf diese Art kam es zur Rückbesinnung auf die eigene Herkunft und das schon stark verschüttete kulturelle Erbe.

Theodor Domej